Ferienhausanlage Nossentin am Fleesensee / Gemeinde Silz…

Sanfter Tourismus…damit wirbt unser Land Mecklenburg Vorpommern sowie unser Tourismusverband bereits seit vielen Jahren, im Sinne unserer einzigartigen Natur, unserer vielfältigen und vor allem schützenswerten Flora und Fauna ! Hiervon ist leider im nachfolgend beschriebenem Bauvorhaben nichts mehr zu spüren… In unserer Gemeinde Silz, im Ort Nossentin am Nordostufer des Fleesensees…soll demnächst eine große Ferienhausanlage im Interesse der GMZ Planungsgesellschaft Matthias Zinnen mbH entstehen. Die Größe des geplanten Objektes mit 21 Ferienhäusern sowie 6 Doppelhaushälften und einer Belegung mit 190 Urlaubern in Spitzenzeiten, steht unserer Meinung nach im Widerspruch zu unserem kleinen Dörfchen mit aktuell nur 51 Einwohnern. Auch die Presse ( NORDKURIER vom 19.01.2017 ) hat sich dazu bereits sehr kritisch geäußert ! Bei Recherchen zu diesem Projekt findet man in der Presse und auch im Internet allerlei Widersprüchliches. Da das ganze am Rande eines FFH und auf dem Gebiet eines LSG-Gebietes entstehen sollte, musste nach der Gesetzeslage eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt werden. Diesen Auftrag erhielt die GMZ Planungsgesellschaft Matthias Zinnen mbH. Dieses Bauplanungsunternehmen trat gleichzeitig als Prüfer für die Umweltverträglichkeit auf ! Mit Sicherheit blieb dabei das zwischenzeitlich gesetzlich verankerte EU Gesetz : ” NATURA 2000 ” ( https://www.bfn.de/0316_natura2000.html ) in wesentlichen Teilen unberücksichtigt.

Wir als Anwohner haben aus Eigeninitiative heraus bereits einige Biologen vor Ort, die bei Ortsbegehung und Kartierungsarbeiten allerlei schützenswerte Pflanzen und Tiere feststellen konnten. Hier wäre eine durch neutrale Biologen erstellte Umweltverträglichkeitsstudie gewünscht, in der die tatsächlichen Daten und Fakten gemäß der Richtlinien und Vorgaben des EU-Programmes Natura 2000 detailliert geprüft wurden !!!

Begründung…warum wir als Anwohner gegen dieses Bauvorhaben sind !!!

Die Region um die Müritz und um den Plauer See herum wurde in den letzten 10 bis 15 Jahren mit touristischen Ferienhaus- und Ferienparkanlagen sowie Hotels sehr stark bebaut. Hierfür wurden naturnahe Flächen zu Bauland erklärt und für die gewerbliche touristische Nutzung freigegeben. So entstanden besonders an der Müritz in den Orten Waren und Rechlin, am Jabeler See in Jabel, am Fleesensee in den Orten Göhren Lebbin, Untergöhren und in Silz, sowie am Plauer See – verteilt über zwei Drittel der Uferbereiche – komplexe Ferienhausanlagen und Yachthäfen. Im Falle des geplanten Bauvorhabens Nossentin würden mögliche Interessenten und Investoren überrascht sein über nicht exisierende Versorgungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten, fehlende touristische Infrastruktur und quasi ohne Zugangserlaubnis zum Wasser und aufgrund verlandeter Uferzonen ohnehin unmöglichem Sportbootverkehr. Ein falsches Projekt am falschen Ort ! Bis zum Herbst 2016 standen hier am Ortsrand von Nossentin die Ruinen einer Schweinemastanlage, die abgerissen und gemäß Gutachten einschließlich der oberen Bodenschichten als kontaminiert entsorgt wurden. Nach dieser Maßnahme hat die Natur erfreulicherweise wieder begonnen, dieses Land zurückzugewinnen. Ein ähnliches Projekt in unmittelbarer Nähe musste bereits unter anderem wegen fehlender naturschutzrechtlicher Rahmenbedingungen aufgegeben werden.

Stand der Dinge Frühjahr 2021 !!!

Das Baugrundstück am Fleesensee wurde verkauft, nachfolgend unser letzter Schriftverkehr mit dem Alteigentümer :

Guten Tag Herr Mindrup !

Ihre Mail vom 22.04.2021 kann nicht unwidersprochen bleiben.

Es war nie unsere Absicht, das Grundstück von Ihnen zu kaufen, sondern gemeinsam mit Ihnen zu vermarkten. Unsere Schreiben vom 10.12.2018 / 10.01.2019 / 30.09.2019 belegen dieses. Wir haben für diese Korresponenz explizit die Briefform mit dem Zusatz ” persönlich/vertraulich ” und nicht den E-Mailverkehr gewählt, um Ihre privaten Aktivitäten von Ihrem Parteibüro fernzuhalten. Andere Anschriften von Ihnen hatten Sie uns nicht bekanntgegeben. Auch Sie haben sicherlich verfolgt, dass die Investigative Presse sehr an Abgeordneten – Nebentätigkeiten interessiert ist, und allein in den letzten Wochen mit erheblichen Konsequenzen für die Betroffenen zahlreiche Fälle aufgedeckt hat. Sogar Diskretion gegenüber Mitgliedern unseres Vereins haben wir Ihnen schriftlich zugesichert. Wir bitten, diese fairen Absichten zu würdigen.

Es gab jedoch keinerlei schriftliche, telefonische oder persönliche Reaktionen Ihrerseits auf o.g. Schreiben, auch nicht auf unsere Frage nach einem ungefähren Kaufpreis für die Grundstücksfläche. Insofern ist Ihr Vorwurf nicht haltbar, SIE hätten UNSER Angebot dazu erwartet; diese Vorgehensweise wäre auch kaufmännisch völlig branchenunüblich. Wir hatten bereits 3 Interessenten geworben, sowohl für eine Ferienhaus- als auch für eine private Wohnbebauung, konnten denen aber keinen auch nur annähernden Kaufpreis nennen, da Ihre diesbezüglichen Antworten ausblieben.
Unser letzter persönlicher Kontakt datiert vom 11.02.2019 anlässlich einer Besprechung im Rathaus zu Malchow. Sie schienen auf den von Mitgliedern unseres Vereins und von der Bürgermeisterin vorgetragenen Vorschlag eingehen zu wollen, die gesamte Grundstücksfläche auf 5 bis 7 Einheiten aufzuteilen und zur privaten oder gewerblichen Nutzung anzubieten. Die Kosten zur Nutzungsänderung auf ” gewerblich ” oder ” privat ” sollten auf die Käufer übertragen werden. In dem zu diesem Gespräch von Ihnen verfassten Protokoll war dann schon wieder von 10 Einheiten die Rede.
Ebenso diente die Beräumung der Schweinestallruinen dem Aufhübschen der Braut vor dem Verkauf, und nicht den von Ihnen erwähnten Schandfleck im Ort zu beseitigen. ( Sorry, uns wurde berichtet, dass solche Maßnahmen vom Land subventioniert werden / Beseitung von Altlasten wurden in MV mit bis zu 90% vom Land getragen ). Wir waren sehr verwundert, dass Sie anläßlich eines späteren gemeinsamen Treffens im Landratsamt ( Bauamt ) der Vorgabe von Frau Böck-Friese für eine kommerziell – touristische Bebauung unwidersprochen akzeptiert haben. Das läuft den Interessen der Landesregierung und der Veröffentlichung Ihres Parteifreundes Christian Pegel im Nordkurier ” Kampf gegen Ferien Apartments ” entgegen. In seinem Artikel vom 04.11.2020 wünscht er sich ” mehr Wohnraum für Einheimische, besonders in touristisch geprägten Regionen. Hier wird Wohnraum immer häufiger als Ferienwohnraum vermarktet !
Was jetzt geplant wird, entwickelt sich möglicherweise zu einem viel großflächigeren Schandfleck. Wie bringen Sie Ihr Unternehmertum mit Ihren politischen Bemühungen um ” Mietendeckel “sowie “soziales und genossenschaftliches Bauen ” in Berlin in Einklang ? Wie sieht der Diplom Biologe Mindrup den Landschaftsverbrauch, den Einsatz drastisch knapper werdender Ressourcen wie Bauholz, Beton, Bausand und Wohninventar für Häuser, die nur wenige Monate im Jahr genutzt werden ? Wie will man eine größere Zahl von Feriengästen von der streng geschützten Uferregion zum Fleesensee außerhalb der genehmigten kleinen Badestelle fernhalten ? Oder wird auch hier die hohe Politik wieder eine großzügige Sonderregelungen erfinden ? Die hier brütende Rohrdommel war wahrscheinlich schon in der Bauphase verschwunden und die Dachsbauten plattgefahren worden sein. Ohnehin ist die von Ihnen im Juni 2006 erstellte Kartierung für Biotope und FFH-Lebensräume zu aktualisieren sowie die Auswirkungen auf Fauna, Flora und Mensch neu zu bewerten.
Unsere schmale Dorfstraße ” Am Park ” wird durch zusätzlichen Verkehr zu einem noch hinderlicheren Nadelöhr werden. Bisher genehmigen wir uns im Begegnungsverkehr zweier Fahrzeuge gut-nachbarschaftliches Ausweichen auf unsere Grundstückseinfahrten.
Wir bitten Sie, sich für eine sehr mäßige, dem Dorfcharakter angemessene Bebauung bei den neuen Besitzern stark zu machen. Ihr Name wird hier und den ca. 220 Mitgliedern unseres Vereins noch lange Zeit mit diesem ungeliebten Bauprojekt in Verbindung bleiben.

Mit freundlichen Grüßen,

ITG Nossentin/Silz !